Plagiate

Fake-Shops mit Plagiatsware von Markenartiklern

Shops ohne Impressum auf .de .at .ch Domänen

Der Datenbutler besucht alle deutschprachigen Internetseiten und klassifiziert diese. Auf diese Weise werden z.B. auch neu entstehende Online-Shops erkannt. Diese werden bei uns auch auf verortet, indem versucht wird die Kontakt- oder Impressumsseite zu ermitteln.

In Deutschland und Österreich gibt es die Impressumspflicht für Firmen schon lange. In der Schweiz wurde die eidgenössische Impressumspflicht vor drei Jahren eingeführt. Umso verwunderlicher, dass wir auf Seiten stoßen, die aussehen wie ein Online Shop, aber keinen Impressumslink aufweisen.

Zu unserer großen Überraschung entdeckt man auf diesen Seiten ein einheitliches Strickmuster: Es handelt sich um Online-Shops im Modebereich von sehr bekannten Markenartiklern. Es gibt kein Impressum, aber macht man sich die Mühe die Registrierungsdaten zu prüfen, zeigen die Spuren in Richtung Fernost: Häufig steht da zwar eine deutsche Person mit halbwegs stimmiger Adresse als Eigentümer der Domäne, Telefonnummer oder Email weisen dann aber in fernöstliche Richtung. Wer steckt dahinter – wie läuft die Masche ?

Handel mit Plagiaten – ein Riesengeschäft

Der Handel mit Plagiaten soll sich laut Schätzung der kanadischen Regierung von 2003 auf 8% des chinesischen Bruttosozialprodukts beitragen. Im Bereich Sportschuhe kommen laut einem Artikel der Wirtschaftswoche 99% der beim Zoll beschlagnahmten Plagiatsware aus China. Laut einer Studie von Ernest & Young kostet Produktpiraterie alleine deutsche Unternehmen einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Entsprechend müssen unglaubliche Mengen an Waren an die Schnäppchenjäger gebracht werden und das geschieht offenbar quer über alle Marken über Domänen wie diese:

UGGwww.liegerad-oldenburg.de

Birkenstock  – www.nobsinformatik.ch

Nike – www.babegrotzeck.de

Timberland – www.hauptdeck.de

Converse – www.mkk-solingen.de

MBT: www.mbtschuhenshop.de

Fitflop www.klaeger-medien.de

Belstaff www.belstaffjacken.at

Superdry www.kasails.de

Air Jordan www.ambiente-moers.eu

Napapijri www.planningms.org

Tommy Hilfiger www.stuntillusions.de

Adidas Puma Asics  Nike www.liqui-jet.ch

Vans www.buch-insider.de

Unsinnige Domänennamen als Trafficgarant

Die Domänennamen klingen erst einmal unsinnig. Schaut man in die Historie ist klar warum: Diese waren alle bereits einmal angemeldet, wurden dann aber wieder aufgegeben. Dadurch haben sie ein Ranking in den Suchmaschinen und werden gefunden, sobald man den Markennamen oder konkrete Produkte möglichst „billig“ sucht.

Kaufen Sie keinesfalls in solchen Shops, auch wenn es mittlerweile auch schon „Informationsseiten“ wie  chinashops.info gibt (ebenfalls ohne Impressum und in den USA über einen Anonymisierungsdienst registriert), die betonen dass Käufe problemlos sind.

  • Bei diesen Shops wissen Sie nicht, ob Sie Ihre Ware erhalten.
  • Selbst wenn die Ware verschickt wird, kann der Zoll zugreifen.
  • Dieser informiert dann den Markeneigentürmer, der dann häufig rechtsanwaltliche Schreiben samt Kostennoten verschickt und die Vernichtung der Plagiate verlangt.
  • Auch wenn die Ware ankommt – sollte irgendein Mangel bestehen, haben Sie keine Möglichkeit auf Umtausch.

Wie sind solche Shops zu erkennen? Sollten einzelne oder alle dieser Punkte auf den Shop zutreffen, kaufen Sie besser an anderer Stelle:

  • der Shop hat kein rechtsgültiges Impressum
  • der Shop bietet keine telefonische Kontaktmöglichkeit
  • der Shop bietet Markenware zu deutlich günstigeren Preisen als üblich
  • der Shop ist weitgehend unbekannt

Stoppt den Missbrauch – aber wie ?

Nun werden Sie sich fragen: Warum gibt es diese Shops überhaupt, warum werden sie nicht von den Produzenten oder den Registraren (DENIC, NIC) sofort vom Netz genommen? Warum ermittelt nicht die Staatsanwaltschaft, wenn eine geschäftliche Domäne ohne Impressum agiert?

Die Produzenten sind offenbar mit der Situation überfordert. Manche scheinen schon gerüstet, um diese Domänen einzudämmen. So bietet die australische Marke eine eigene Email-Adresse an die man die Fälle melden kann ( ‚counterfeit@uggaustralia.com‘ ) und eine eigen Webseite, die darüber aufklärt, welches Ausmaß die Fälschungen haben ( http://counterfeit.uggaustralia.com ). Unsere Meldung obiger Adresse erfolgte vor zehn Wochen. Offenbar war diese Zeit nicht genug, damit die entsprechende Domäne keine Käufer mehr locken kann.

Die DENIC sieht sich als reiner Registrar, dem keine größeren Prüfpflichten über die Inhalte aufzubürden sind. Immerhin konnten Gerichtsurteile erwirken, dass von DENIC offensichtliche Markenverstöße des Domänennamens zu prüfen sind. Doch das ist bei obigen Beispielen nicht der Fall. Allenfalls bei mbtschuhenshop.de wäre denkbar, dass hier eine detailliertere Prüfung durch DENIC notwendig gewesen wäre.

Die Staatsanwaltschaft muss erst einmal davon erfahren und wie der Markeninhaber wird sie sich schwertun: Zunächst ist der Admin-C der Domäne anzuschreiben, er haftet für Inhalte. Dieser ist bei obigen Domänen aber wohl immer eine unbeteiligte Person, deren Adresse für die Registrierung „geborgt“ wurde. Email und Telefonnummer weisen dann meist gen China.

Hier hilft wohl nur eine generelle Verbesserung der Situation: Prüfung der Existenz der Adressdaten der registrierenden Person seitens der Registrare. Rechtliche Möglichkeiten eine Domäne kurzfristig schließen zu können, wenn diese gegen die Impressumspflicht verstößt. Bewusstsein bei potentiellen Käufern über die Existenz und Gefahren von Plagiatsware bei den Konsumenten.

Für letzteres wollen wir uns auch einsetzen und veröffentlichen von Zeit zu Zeit Listen dubioser Domänen.

 

 

One Response

  1. Webwatcher

    Eine sehr umfangreiche Überischt von deutschsprachigen Fakeshops 1000+ findet ihr hier:

    http://www.webwatcher.eu/forum/index.php

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